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Stichworterklärung

Stichworterklärung zu “Wala”:

Publius Cornelius Tacitus berichtet uns in seinem Werk „Germania“ um 98 n. Chr.: „Die Germanen glauben sogar, dass den Frauen etwas Heiliges und Seherisches innewohne.“  Hier kommt eine Seherin namens Wala zu Wort. Wenn sie eher einen anderen Namen erwartet hätten z.B. Vala, Völva oder Wölva, so spricht das für Ihre mythischen Kenntnisse. All diese Namen sind altnordischen Ursprungs und bedeuten „Frau mit Stab“, wobei der Stab das Symbol der Macht über das Übernatürliche war. Bischofsstab, Königszepter und auch der Zauberstab sind Überbleibsel derselben Symbolik in unserer heutigen Zeit.
Den Seherinnen damals sagte man nach, dass sie in Ekstase andere Welten besuchen können und daraus ihre Einsichten für diese gewinnen. Unsere Wala bleibt in dieser Welt, doch sie lotet sie aus bis ans Ende. Dass sie dabei kosmologische Erkenntnisse von der Expansion des Universums verwendet, mag man ihr in einer zeitgenössischen Edda nachsehen. Geblieben ist die Struktur eines visionären Monologs in der Völuspá, dem wohl berühmtesten Götterlied der Lieder-Edda, vorgeschrieben.
Doch gehen wir noch einmal kurz weg von der „Älteren Edda“ und sinnieren nach, was Tacitus mit diesem „sogar“ wohl gemeint hat!

Stichworterklärung zu “Jötunheim”:

Die wichtigste Quelle nordischer Mythologie ist die Schrift des isländischen Gelehrten und Politikers Sturluson Snorri (1179 – 1241). Er berichtet in seiner Edda von der Kosmologie der germanischen Welten, von Asgard, Midgard… und Jötunheim. Wer hatte als Kind nicht Angst vor Riesen? Trugen sie zottige Bärte und hausten in einem dunklen Wald? Jetzt wissen wir, wie diese Gegend heißt, Jötunheim.  Die Welt der Riesen lag in den mythischen Anfängen im Osten und war glücklicherweise durch Flüsse von der Welt der Menschen getrennt. In dieser Bedeutung findet sich Jötunheim bei Snorri häufig. Später, als Jötunheim als literarischer Topos etabliert war, rückte es immer mehr nach Norden. Die Norweger haben einem Gebirgsmassiv diesen Namen gegeben. Jötun, altnordisch „Riese“, ist wertneutral. In dem Gedicht „In Jötunheim“ gehorchen die Riesen jedoch unserem naiv-kindlichen Klischee einer gewaltbereiten, feindlichen, triebhaften Macht.
(Anmerkung: Es gibt auch die Schreibweise Jötunn mit zwei n. Ich habe mich für ein n entschieden. Geschmackssache!)

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